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Drehkränze

Drehkranz am Bagger: Aufbau, Bauarten und Funktion

Ein Drehkranzlager ist ein großes Wälzlager, das den Oberwagen des Baggers mit dem Unterwagen verbindet und ihn um 360 Grad drehbar lagert. Es nimmt gleichzeitig das Gewicht des Oberwagens, seitliche Kräfte und die Kippmomente aus der Grabarbeit auf. Hier erfahren Sie, wie ein Drehkranz aufgebaut ist, welche Bauarten es gibt und wie er mit dem Schwenkwerk zusammenarbeitet.

Von Zoltan Gal, Geschäftsführer · aktualisiert am 5. Oktober 2026

Was ist ein Drehkranz am Bagger?

Der Drehkranz, oft auch Drehkranzlager, Drehverbindung oder Kugeldrehverbindung genannt, ist das Lager zwischen Oberwagen und Unterwagen. Anders als ein gewöhnliches Wälzlager sitzt er nicht auf einer Welle. Er wird über zwei Schraubenkreise direkt an den Rahmen von Ober- und Unterwagen geschraubt. Dadurch bleibt die Mitte frei, und dort findet die Drehdurchführung Platz, die Hydrauliköl zu den Fahrmotoren im Unterwagen leitet.

Ein Drehkranz muss drei Lastarten gleichzeitig aufnehmen: Axialkräfte aus dem Gewicht des Oberwagens und der Last, Radialkräfte aus seitlichen Stößen und Beschleunigungen beim Schwenken sowie Kippmomente, die entstehen, wenn Ausleger und Löffel weit ausgefahren sind. Genau diese Kombination unterscheidet ihn von den meisten anderen Lagern einer Baumaschine. Sie ist auch der Grund, warum der Oberwagen bei ausgefahrenem Ausleger nicht vom Unterwagen abhebt.

Aufbau eines Drehkranzlagers: Ringe, Wälzkörper, Verzahnung

Auch wenn Drehkränze je nach Maschinengröße sehr unterschiedlich aussehen, bestehen sie aus denselben Grundelementen:

Die Ringe bestehen in der Regel aus vergütetem Stahl, die Laufbahnen sind gehärtet. Verschleiß an den Laufbahnen lässt sich in der Praxis nicht nacharbeiten. Ist die Laufbahn beschädigt, wird der Drehkranz als komplettes Bauteil getauscht.

Bauarten: einreihig, zweireihig, Kugel oder Rolle

Drehverbindungen werden nach Art und Anzahl der Wälzkörperreihen unterschieden. Die folgende Übersicht zeigt die gängigen Bauarten und wo sie typischerweise vorkommen:

BauartWälzkörper und KontaktEigenschaftenTypischer Einsatz
Einreihige Kugeldrehverbindung (Vierpunktlager)Eine Reihe Kugeln, Kontakt an vier Punkten der LaufbahnKompakt, nimmt alle drei Lastarten auf, geringe BauhöheMinibagger, Kompaktbagger, viele mittlere Bagger
Zweireihige KugeldrehverbindungZwei Kugelreihen, teils mit unterschiedlichem DurchmesserHöhere Tragfähigkeit bei großen AxiallastenKrane, Maschinen mit hohem Eigengewicht
Kreuzrollen-DrehverbindungEine Reihe Zylinderrollen, abwechselnd um 90 Grad gekreuztLinienkontakt, hohe Steifigkeit bei geringer BauhöheMittlere bis große Bagger, Umschlagmaschinen
Dreireihige RollendrehverbindungDrei Rollenreihen, getrennt für Axial-, Radial- und GegenlastSehr hohe Tragfähigkeit, groß und schwerGroßbagger, Hafenkrane, Großgeräte

Welche Bauart in einer Maschine verbaut ist, legt der Hersteller bei der Konstruktion fest. Beim Austausch muss der neue Drehkranz in Bauart, Durchmesser, Bauhöhe, Lochbild und Verzahnung zum alten passen. Eine andere Bauart einzusetzen, nur weil die Anschlussmaße übereinstimmen, ist keine sinnvolle Lösung.

Innenverzahnung oder Außenverzahnung am Bagger

Bei den meisten Hydraulikbaggern ist der Drehkranz innen verzahnt. Der Innenring mit der Verzahnung ist fest mit dem Unterwagen verschraubt, der Außenring trägt den Oberwagen. Das Ritzel des Schwenkantriebs ragt von oben in den Ring und greift von innen in die Zähne. Das hat mehrere Vorteile:

Bei der Außenverzahnung sind die Zähne in den Außenring geschnitten, das Ritzel greift von außen. Diese Ausführung findet man an manchen Kranen, Drehgeräten und einzelnen Baggermodellen. Die Verzahnung ist leichter zu kontrollieren, liegt aber offener und wird in der Regel offen gefettet.

Für die Ersatzteilbestimmung gehören Verzahnungsart, Zähnezahl und Modul zu den wichtigsten Kenndaten. Sie müssen zum Ritzel des Schwenkantriebs passen, sonst verschleißen beide Bauteile in kurzer Zeit.

Wo sitzt der Drehkranz und wie arbeitet er mit dem Schwenkwerk?

Der Drehkranz sitzt zwischen dem Oberwagen und der runden Auflage auf dem Mittelteil des Unterwagens. Von außen sieht man ihn, wenn man seitlich unter den Oberwagen blickt: Dort liegen der äußere Ring und die Köpfe der Befestigungsschrauben. Die Verzahnung ist bei Innenverzahnung nur über Inspektionsöffnungen oder nach dem Abnehmen der Abdeckung zugänglich.

Das Schwenkwerk, auch Drehwerk genannt, liefert die Kraft für die Drehbewegung. Es besteht meist aus einem Hydraulikmotor, häufig einem Axialkolbenmotor, einem nachgeschalteten Planetengetriebe und dem Ritzel. Die Hydraulikpumpe fördert Öl über das Steuerventil zum Motor, sobald der Fahrer den Joystick betätigt. Das Getriebe setzt die hohe Motordrehzahl in eine niedrige Drehzahl mit hohem Drehmoment um.

Weil das Schwenkwerk am Oberwagen befestigt ist und der Zahnkranz am Unterwagen stillsteht, wälzt sich das Ritzel am Zahnkranz ab und nimmt den Oberwagen mit. Zum Halten dient in der Regel eine federbelastete Lamellenbremse, die hydraulisch gelöst wird. Ventile im Motor dämpfen Druckspitzen beim Anfahren und Abbremsen.

Drehkranz und Schwenkwerk sind also zwei getrennte Bauteile: Der Drehkranz trägt und führt, das Schwenkwerk treibt an. Passende Antriebe finden Sie in der Kategorie Drehantriebe, Drehgetriebe, Drehmotoren.

Typische Belastungen und Verschleißpunkte am Drehkranz

Im Betrieb wirken ständig wechselnde Kräfte auf den Drehkranz. Besonders belastend sind Stöße beim Graben in hartem Boden, Hammerarbeit, abruptes Abbremsen der Schwenkbewegung und das Anheben schwerer Lasten mit weit ausgefahrenem Ausleger. Typische Verschleißpunkte sind:

Regelmäßiges Abschmieren nach den Vorgaben des Herstellers ist die wichtigste Maßnahme gegen vorzeitigen Verschleiß. Ein zuverlässiger Indikator für den Zustand ist das Kippspiel.

Kippspiel prüfen: das Vorgehen

  1. Maschine sichern: Auf festem, ebenem Untergrund abstellen, Oberwagen in Längsrichtung zum Unterwagen ausrichten, Motor abstellen, gegen Wiederanlauf sichern und die Hydraulik nach Herstellerangabe drucklos machen.
  2. Messuhr ansetzen: Messuhr mit Magnetfuß am Unterwagen befestigen, Taster senkrecht am Oberwagenrahmen nahe dem Drehkranz auf der Auslegerseite anlegen.
  3. Last wechseln: Mit laufendem Motor durch eine zweite Person das Kippmoment umkehren, etwa Löffel abstützen und Maschine vorn leicht anheben, dann Ausleger frei in der Luft halten. Während dieser Bewegung hält sich niemand im Gefahrenbereich auf.
  4. Ablesen und vergleichen: Die Differenz der Messwerte notieren und mit dem Grenzwert im Servicehandbuch des Herstellers sowie mit früheren Messungen vergleichen.

Steigt das Kippspiel deutlich an oder treten Geräusche und Metallabrieb im Fett auf, steht ein Austausch an. Wie dieser abläuft, beschreibt unser Ratgeber Drehkranz beim Bagger wechseln. Den Einbau sollte eine Fachwerkstatt übernehmen.

Begriffe: Drehkranz, Schwenkkranz, Swing Bearing, Slew Ring

Für dasselbe Bauteil sind viele Namen im Umlauf. Das sorgt bei der Teilesuche, vor allem in englischsprachigen Unterlagen, häufig für Verwirrung:

BegriffSpracheBedeutung
Drehkranz, DrehkranzlagerDeutschÜbliche Bezeichnung im Baumaschinenbereich
Drehverbindung, KugeldrehverbindungDeutschFachbegriff aus der Lagertechnik, gleiche Funktion
SchwenkkranzDeutschSeltenere Bezeichnung, gleiches Bauteil
Slewing ring, slew ring, slewing bearingEnglischAllgemeine Bezeichnung für Großwälzlager dieser Art
Swing bearing, swing circleEnglischGebräuchlich in Baggerunterlagen und Ersatzteillisten
Schwenkwerk, Drehwerk, swing driveDeutsch und EnglischNicht das Lager, sondern der Antrieb mit Motor, Getriebe und Ritzel

Den passenden Drehkranz für Ihre Maschine finden

Drehkränze unterscheiden sich selbst innerhalb einer Baureihe in Durchmesser, Lochbild, Bauhöhe und Verzahnung. Damit wir das richtige Teil zuordnen können, senden Sie uns bitte:

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Mehr dazu: Drehkränze

Häufige Fragen

Was ist ein Drehkranzlager?
Ein Drehkranzlager ist ein großes Wälzlager mit Verzahnung, das den Oberwagen eines Baggers drehbar mit dem Unterwagen verbindet. Es nimmt Axial- und Radialkräfte sowie Kippmomente gleichzeitig auf. Über seine Verzahnung treibt das Schwenkwerk den Oberwagen an.
Wo sitzt der Drehkranz am Bagger?
Er liegt zwischen dem Oberwagen und der runden Auflage auf dem Mittelteil des Unterwagens. Der Außenring ist meist mit dem Oberwagen, der Innenring mit dem Unterwagen verschraubt. Seitlich unter dem Oberwagen sind der Ring und die Befestigungsschrauben sichtbar.
Wie funktioniert ein Schwenkmotor?
Der Schwenkmotor ist ein Hydraulikmotor, der von der Pumpe über das Steuerventil mit Öl versorgt wird. Ein Planetengetriebe untersetzt seine Drehzahl und erhöht das Drehmoment. Das Ritzel am Getriebeausgang wälzt sich am feststehenden Zahnkranz des Drehkranzes ab und dreht so den Oberwagen.
Was ist der Unterschied zwischen Drehkranz und Schwenkwerk?
Der Drehkranz ist das Lager, das den Oberwagen trägt und führt. Das Schwenkwerk ist der Antrieb aus Motor, Getriebe und Ritzel. Beide arbeiten über die Verzahnung zusammen, werden aber getrennt geprüft und getauscht.
Woran erkenne ich, welche Bauart in meiner Maschine verbaut ist?
Am sichersten über die Teilenummer oder die Ersatzteilliste des Herstellers zu Ihrem Modell und Ihrer Seriennummer. Am ausgebauten Lager zeigt sich die Bauart an Wälzkörpern und Ringquerschnitt. Senden Sie uns Maschinendaten und Typenschildfoto, dann ordnen wir das Teil zu.

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