Wo sitzt der Drehkranz und warum entsteht Spiel?
Der Drehkranz sitzt zwischen Oberwagen und Unterwagen des Baggers. Er ist ein großes Wälzlager aus zwei Lagerringen: Ein Ring ist mit dem Unterwagenrahmen verschraubt, der andere mit dem Oberwagen. In der Mitte liegt die Drehdurchführung, über die das Hydrauliköl zum Fahrwerk gelangt. Über die Verzahnung am Innen- oder Außenring dreht der Schwenkantrieb den Oberwagen.
Spiel entsteht vor allem durch Verschleiß an Laufbahnen und Wälzkörpern. Ein Bagger belastet den Drehkranz mit ständig wechselnden Kippmomenten: beim Graben, beim Heben, beim Schwenken mit beladenem Löffel. Jeder Lastwechsel trägt etwas Material ab. Beschleunigt wird der Verschleiß durch:
- zu seltenes Abschmieren oder ungeeignetes Fett
- Schmutz und Wasser, die über beschädigte Dichtungen eindringen
- Schläge, etwa beim Arbeiten mit dem Löffel als Hammer oder im Abbruch
- lockere oder gebrochene Befestigungsschrauben
- Überlast durch zu schwere Anbaugeräte
Ein neuer Drehkranz hat bereits ein kleines, konstruktiv vorgesehenes Lagerspiel. Wichtig ist deshalb nicht, ob Spiel vorhanden ist, sondern wie stark es seit dem Einbau zugenommen hat.
Messmittel: Messuhr, Magnetstativ und die richtige Messposition
Für die Messung genügt übliches Werkstattwerkzeug:
- Messuhr mit ausreichendem Messweg und feiner Skalenteilung
- Magnetstativ mit stabilem Gelenkarm, je kürzer der Arm, desto weniger federt er
- Drahtbürste und Reiniger für die Auflage- und Tastflächen
- Servicehandbuch der Maschine mit Messvorschrift und Grenzwert
- Messprotokoll für Datum, Betriebsstunden, Messpunkt und Wert
Den Magnetfuß setzen Sie auf eine saubere, ebene Stelle am Unterwagenrahmen, möglichst nah am Drehkranz. Der Taster liegt senkrecht auf dem oberen Lagerring oder auf dem Oberwagenrahmen direkt neben der Verschraubung. Je weiter der Messpunkt vom Lager entfernt ist, desto mehr Rahmenverformung messen Sie mit. Setzen Sie den Taster mit etwas Vorspannung an, damit er in beide Richtungen ausschlagen kann.
Die Maschine muss auf festem, ebenem Untergrund stehen. Schräglage und nachgebender Boden verfälschen das Ergebnis. Bei vielen Maschinen erreichen Sie den Drehkranz nach Abnahme von Abdeckungen von der Seite oder von unten.
Drehkranz-Spiel messen: Schritt für Schritt (axial und radial)
Die gängige Methode ist die Kippspielmessung. Dabei wird das Kippmoment am Oberwagen gezielt umgekehrt, und die Messuhr zeigt, wie weit sich der Oberwagen gegenüber dem Unterwagen bewegt. Ausleger- und Stielstellung, Löffelhöhe und Messpunkte gibt der Hersteller vor. Der folgende Ablauf zeigt das Prinzip:
- Maschine sichern: Bagger auf ebenen Boden stellen, Oberwagen so drehen, wie das Handbuch es vorgibt, meist mit dem Ausleger in Längsrichtung über Leitrad oder Antriebsrad. Löffel absetzen, Motor abstellen, Hydraulik drucklos machen, Schlüssel abziehen.
- Messuhr setzen: Magnetstativ am Unterwagen befestigen, Taster senkrecht auf Lagerring oder Rahmen auf der Auslegerseite setzen.
- Nullpunkt: Motor starten und den Löffel nach Vorgabe vom Boden anheben, sodass das Arbeitsgerät den Oberwagen nach vorn kippt. Messuhr auf null stellen.
- Lastwechsel: Ausleger absenken und den Löffel auf den Boden drücken, bis sich die Vorderseite des Unterwagens leicht anhebt. Der Oberwagen kippt nun in die Gegenrichtung. Wert ablesen. Bewegungen nur auf Zuruf, niemand unter der Maschine oder an der Kette.
- Wiederholen: Messung mehrmals durchführen und den Mittelwert bilden. Stark streuende Werte deuten auf einen wackeligen Messaufbau hin.
- Weitere Messpunkte: Oberwagen in die vom Hersteller genannten Positionen drehen und erneut messen. Die Laufbahnen verschleißen ungleichmäßig, im Hauptarbeitsbereich meist stärker.
- Radiales Spiel: Taster waagerecht an die Mantelfläche des Lagerrings setzen und den Lastwechsel wiederholen oder die Querlast so aufbringen, wie das Handbuch es beschreibt.
- Dokumentieren: Werte mit Datum, Betriebsstunden und Messposition ins Protokoll eintragen.
Messen Sie direkt nach dem Einbau eines neuen Drehkranzes und notieren Sie diesen Ausgangswert. Lagerhersteller beurteilen den Verschleiß über die Zunahme des Kippspiels gegenüber diesem Wert.
Messwert bewerten: Tabelle mit Handlungsempfehlung
Der verbindliche Grenzwert steht im Servicehandbuch der Maschine oder im Datenblatt des Lagerherstellers. Er hängt von Lagergröße, Bauart und Maschine ab. Wir nennen deshalb bewusst keine Millimeterwerte. Die Tabelle zeigt, wie Sie Ihren Messwert im Verhältnis zu diesem Grenzwert einordnen:
| Messbefund | Bewertung | Empfohlene Handlung |
|---|---|---|
| Deutlich unter dem Grenzwert, kaum Zunahme zum Ausgangswert | unauffällig | Weiter nach Plan abschmieren, Messung im Wartungsintervall wiederholen |
| Spürbare Zunahme seit der letzten Messung, noch unter dem Grenzwert | beginnender Verschleiß | Messintervall verkürzen, Fett auf Abrieb prüfen, Schrauben kontrollieren |
| Nahe am Grenzwert | fortgeschrittener Verschleiß | Ersatz planen, Teil identifizieren, Wechsel in eine Standzeit legen |
| Grenzwert erreicht oder überschritten | Austausch fällig | Weiterbetrieb nach Herstellervorgabe einstellen, Wechsel durch eine Fachwerkstatt |
| Sprunghafte Zunahme in kurzer Zeit | Ursache klären | Schrauben, Lagerringe und Rahmen auf Brüche und Risse untersuchen |
| Wert am Rahmen deutlich größer als am Lagerring | Bewegung in der Verschraubung | Befestigungsschrauben prüfen, siehe nächster Abschnitt |
Entscheiden Sie nie allein nach der Zahl. Mahlende Geräusche, raues Drehen oder Späne im Fett sprechen auch bei einem Wert unter dem Grenzwert für eine genauere Untersuchung.
Spiel im Schwenkgetriebe oder lockere Schrauben? Typische Verwechslungen
Nicht jedes Spiel am Oberwagen kommt aus dem Drehkranz. Drei Ursachen werden häufig verwechselt:
Spiel im Schwenkgetriebe
Lässt sich der Oberwagen in Drehrichtung etwas hin und her bewegen, oder klackt es beim Anfahren und Abbremsen der Drehbewegung, handelt es sich meist um Verdrehspiel. Ursache ist das Zahnflankenspiel zwischen Ritzel und Drehkranzverzahnung oder Verschleiß im Schwenkgetriebe. Die Kippspielmessung erfasst dieses Spiel nicht. Prüfen Sie Ritzel und Verzahnung auf Ausbrüche und das Getriebeöl auf Abrieb.
Lockere Befestigungsschrauben
Klopfende Geräusche beim Lastwechsel, Abrieb oder Rostspuren an der Trennfuge und fehlende Schraubenköpfe deuten auf die Verschraubung hin. Eine Vergleichsmessung hilft: Zeigt die Messuhr am Rahmen deutlich mehr Bewegung als direkt am Lagerring, bewegt sich der Drehkranz gegenüber dem Rahmen.
Spiel an anderen Stellen
Ausgeschlagene Bolzen an Ausleger und Stiel, weiche Kabinenlager oder Spiel im Fahrwerk vermitteln ebenfalls den Eindruck, die Maschine wackle. Der Drehkranz kann dabei in Ordnung sein.
Wann Schrauben nachziehen, wann den Drehkranz wechseln?
Lockere Befestigungsschrauben werden nur nach Herstellervorgabe behandelt: Anzugsmoment, Anzugsverfahren und Reihenfolge stehen im Servicehandbuch. Viele Hersteller schreiben vor, gelockerte Schrauben durch neue zu ersetzen, weil sie ihre Vorspannung verloren haben oder überdehnt sein können. Ist eine Schraube gebrochen, werden in der Regel auch die benachbarten getauscht. Für alle Arbeiten gilt: Maschine sichern, Hydraulik drucklos machen. Messen Sie danach erneut.
Das Lagerspiel selbst lässt sich bei Bagger-Drehkränzen üblicherweise nicht nachstellen. Ein Wechsel ist fällig, wenn:
- der Grenzwert erreicht oder überschritten ist
- Metallspäne im Fett liegen oder der Oberwagen rau und mahlend dreht
- Risse an Lagerringen oder ausgebrochene Zähne sichtbar sind
- das Spiel trotz neuer Schrauben schnell wieder zunimmt
- Dichtungen zerstört und Laufbahnen korrodiert sind
Den Austausch sollte eine Fachwerkstatt mit passendem Hebezeug übernehmen. Den Ablauf beschreibt unser Ratgeber Drehkranz beim Bagger wechseln. Prüfen Sie dabei auch das Ritzel des Schwenkantriebs, denn ein verschlissenes Ritzel beschädigt die neue Verzahnung.
Passenden Drehkranz finden: Teilenummer, Verzahnung, Lochbild
Drehkränze unterscheiden sich in Außendurchmesser, Bauhöhe, Lochbild, Zahl der Bohrungen, Lage der Verzahnung innen oder außen, Zähnezahl und Modul. Innerhalb einer Baureihe gibt es oft mehrere Ausführungen. Für eine sichere Zuordnung senden Sie uns:
- Hersteller und Modell der Maschine
- Seriennummer vom Typenschild
- Teilenummer des Drehkranzes, falls vorhanden, oft am Lagerring eingeschlagen
- ein Foto des Typenschilds und des Drehkranzes
- ohne Teilenummer: Außendurchmesser, Lochbild und Zähnezahl
Wo diese Angaben stehen, zeigt der Ratgeber Teilenummer und Seriennummer finden. Schicken Sie die Daten über Teil anfragen. Wir prüfen die Zuordnung und senden Ihnen ein Angebot für einen neuen Drehkranz aus unserem Sortiment an Drehkränzen.
Mehr dazu: Drehkränze

