Hydraulikpumpe defekt: Symptome, Ursachen und Prüfschritte im Überblick
Die Hydraulikpumpe ist das Herz der Baggerhydraulik. Sie wandelt die Leistung des Dieselmotors in Volumenstrom um, der alle Zylinder und Hydraulikmotoren versorgt. Lässt ihre Leistung nach, merkt man das an der gesamten Maschine. Wichtig für die Diagnose: Nicht jedes Symptom bedeutet automatisch, dass die Pumpe defekt ist. Die folgende Tabelle hilft, die Ursache einzugrenzen, bevor Teile getauscht werden.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Nächster Prüfschritt |
|---|---|---|
| Alle Funktionen langsam, wenig Kraft | Innerer Verschleiß der Pumpe, Fehler am Pumpenregler, zu niedriger Vorsteuerdruck, falsch eingestelltes Druckbegrenzungsventil | Motordrehzahl prüfen, Arbeits- und Vorsteuerdruck an den Messanschlüssen messen und mit den Sollwerten vergleichen |
| Heulen oder Pfeifen, lauter unter Last | Kavitation: verengte Saugseite, zu niedriger Ölstand, zu kaltes oder zu zähes Öl | Ölstand, Saugsieb, Saugleitung und Tankbelüftung prüfen |
| Klopfen, Rattern, unruhiger Lauf | Luft im Öl, Lagerschaden in der Pumpe | Saugseite auf Undichtigkeiten prüfen, Öl auf Schaum prüfen, Geräuschquelle lokalisieren |
| Öltemperatur steigt ungewöhnlich schnell | Hohe innere Leckage, verschmutzter Ölkühler, dauerhaft ansprechendes Druckbegrenzungsventil | Kühler und Lüfter prüfen, Leckölmenge der Pumpe messen |
| Öl schäumt oder ist milchig | Luft wird saugseitig angesaugt, Wasser im Öl | Schlauchschellen, Saugleitung und Wellendichtring prüfen, Ölprobe nehmen |
| Metallspäne im Filter oder Öl | Verschleiß in Pumpe, Hydraulikmotor oder Zylinder | Filter öffnen, Partikel beurteilen, Ölanalyse veranlassen |
| Ölaustritt am Wellendichtring der Pumpe | Verschlissener Dichtring, erhöhter Gehäusedruck durch verengte Leckölleitung | Leckölleitung auf freien Durchgang prüfen, Gehäusedruck messen |
| Ruckartige Bewegungen, schwankender Druck | Luft im System, Reglerfehler, hängender Ventilschieber | Druckverlauf am Manometer beobachten, Funktionen einzeln testen |
Die verbindlichen Sollwerte für Drücke, Drehzahlen und Leckölmengen stehen im Servicehandbuch des Maschinenherstellers. Ohne diese Werte lässt sich eine Messung nicht zuverlässig bewerten.
Hydraulik langsam oder ohne Kraft: liegt es an der Pumpe?
Das häufigste Symptom ist eine Hydraulik, die träge reagiert oder unter Last nachgibt. Eine Pumpe erzeugt Volumenstrom, der Druck entsteht erst durch den Widerstand im System. Verschleißt die Pumpe, steigt ihre innere Leckage: Ein Teil des Öls fließt im Inneren zurück, statt bei den Verbrauchern anzukommen. Diese Leckage nimmt mit steigendem Druck und steigender Temperatur zu.
Daraus ergibt sich ein typisches Bild: Die Maschine arbeitet morgens im kalten Zustand noch ordentlich und wird mit warmem Öl und unter Last spürbar schwächer. Dieses Muster spricht deutlich für inneren Verschleiß der Pumpe.
Bei Baggern sind meist Verstell-Kolbenpumpen mit Leistungsregelung verbaut. Arbeitet der Regler fehlerhaft, schwenkt die Pumpe nicht vollständig aus und fördert zu wenig, obwohl das Triebwerk selbst in Ordnung ist. Weitere Ursachen außerhalb der Pumpe:
- zu niedrige Motordrehzahl oder nachlassende Motorleistung
- zu geringer Vorsteuerdruck, etwa durch eine verschlissene Vorsteuerpumpe
- falsch eingestelltes oder undichtes Hauptdruckbegrenzungsventil
- verstopfte Filter oder ein verengtes Saugsieb
Prüfen Sie deshalb immer zuerst die Motordrehzahl und den Vorsteuerdruck, bevor Sie die Hauptpumpe verdächtigen.
Heulen und Kavitation: Geräusche der Hydraulikpumpe deuten
Ein neues, auffälliges Geräusch ist oft das früheste Warnsignal. Zwei Mechanismen sind dabei zu unterscheiden:
- Kavitation: Auf der Saugseite entsteht zu starker Unterdruck. Es bilden sich Dampfblasen, die im Druckbereich schlagartig zusammenfallen. Das klingt nach gleichmäßigem, hohem Heulen und greift die Oberflächen im Inneren der Pumpe an.
- Aeration (Luft im Öl): Luft wird über undichte Stellen angesaugt. Das Geräusch ist eher unregelmäßig, rattert oder klopft, oft begleitet von Schaum im Tank.
Typische Ursachen sind ein zu niedriger Ölstand, ein zugesetztes Saugsieb, eine geknickte oder innen abgelöste Saugleitung, eine verstopfte Tankbelüftung, lose Schlauchschellen auf der Saugseite und Öl mit falscher Viskosität. Auch ein Kaltstart mit sehr zähem Öl kann kurzzeitig Kavitation auslösen. Lassen Sie die Hydraulik bei Kälte deshalb ohne Last warmlaufen.
Ein Lagerschaden in der Pumpe äußert sich dagegen meist als mahlendes oder rumpelndes Geräusch, das sich mit der Drehzahl verändert. Wer bei anhaltendem Heulen weiterarbeitet, riskiert innerhalb kurzer Zeit einen Folgeschaden.
Überhitzung und verschäumtes Hydrauliköl
Jede Leckage im System wandelt hydraulische Energie in Wärme um. Eine verschlissene Pumpe mit hoher innerer Leckage heizt das Öl deshalb stärker auf. Heißes Öl wird dünner, die Leckage steigt weiter: ein Kreislauf, der den Verschleiß beschleunigt. Bevor die Pumpe in Verdacht gerät, sollten Ölkühler, Lüfter und Ölstand geprüft sein. Ein mit Staub zugesetzter Kühler ist eine häufige und einfach zu behebende Ursache.
Verschäumtes Öl deutet auf Luft im System hin. Schaum ist kompressibel, die Bewegungen werden schwammig, und das Öl altert schneller. Milchig trübes Öl weist dagegen auf Wasser hin, etwa durch Kondenswasser oder beim Reinigen eingedrungenes Wasser. In beiden Fällen gilt: Ursache beseitigen und das Öl nach Herstellervorgabe wechseln, sonst leiden Pumpe und alle anderen Komponenten.
Metallspäne im Öl oder Filter: was der Befund bedeutet
Ein geringer Anteil feinen Abriebs wird vom Filter aufgefangen und ist über die Betriebszeit normal. Sichtbare Späne, glitzernde Partikel oder Metallflitter im Filterelement sind dagegen ein ernstes Warnsignal. Die Farbe gibt Hinweise auf die Herkunft: Gelbliche Partikel deuten auf Bauteile aus Bronze oder Messing hin, wie sie in vielen Kolbenpumpen und Hydraulikmotoren verbaut sind. Stahlspäne können von Lagern, Zahnrädern oder Kolben stammen.
Eine Ölanalyse im Labor schafft Klarheit über Art und Menge der Partikel. Entscheidend ist die Konsequenz: Späne verteilen sich im gesamten Kreislauf. Nach einem Pumpenschaden müssen das System gespült, alle Filter gewechselt und weitere Komponenten geprüft werden. Wird nur die Pumpe ersetzt, kann der verbliebene Schmutz auch die neue Pumpe schädigen.
Pumpe, Ventil oder Motor? Fehler systematisch eingrenzen
Die wichtigste Frage bei der Diagnose lautet: Betrifft das Problem alle Funktionen oder nur eine? Daraus lässt sich viel ableiten:
- Alle Funktionen schwach: Versorgungsseite verdächtig, also Pumpe, Pumpenregler, Vorsteuerdruck, Hauptdruckbegrenzung oder Motordrehzahl.
- Nur die Funktionen eines Pumpenkreises schwach: Viele Bagger arbeiten mit zwei Hauptpumpen, auf die die Funktionen aufgeteilt sind. Sind nur die Funktionen eines Kreises betroffen, rückt die zugehörige Pumpe in den Fokus.
- Nur eine Funktion schwach: Eher Ventilsektion, Sekundärventil, Zylinder oder Motor dieser Funktion.
- Nur das Schwenken schwach: Schwenkmotor, Schwenkgetriebe oder zugehörige Ventile, siehe Drehantriebe und Drehmotoren.
- Nur eine Fahrseite schwach: Fahrmotor, Drehdurchführung oder Fahrventil dieser Seite.
Für Messungen an der Hydraulik hat sich folgender Ablauf bewährt:
- Sichern: Maschine auf ebenem, tragfähigem Grund abstellen, Arbeitsausrüstung auf dem Boden ablegen, Motor abstellen, Schlüssel abziehen. Hydraulik nach Herstellervorgabe drucklos machen und den Tankdruck ablassen. Heißes Öl abkühlen lassen.
- Sichtprüfung: Ölstand, Schläuche, Verschraubungen und Saugleitung kontrollieren. Leckagen nie mit der Hand abtasten: Austretendes Drucköl kann in die Haut eindringen.
- Öl und Filter beurteilen: Farbe, Schaum, Wasser und Späne prüfen.
- Motordrehzahl prüfen: Leerlauf und Nenndrehzahl mit den Sollwerten vergleichen.
- Vorsteuerdruck messen: am vorgesehenen Messanschluss mit geeignetem Manometer.
- Arbeitsdruck messen: je Pumpenkreis, inklusive Ansprechdruck der Hauptdruckbegrenzung.
- Pumpenleistung bewerten: Volumenstrom mit Durchflussmessgerät messen oder bei Kolbenpumpen die Leckölmenge aus der Gehäuseleitung ermitteln.
- Vergleichen und dokumentieren: alle Messwerte mit dem Servicehandbuch abgleichen und notieren.
Eine erhöhte Leckölmenge bei einer Kolbenpumpe ist ein klarer Hinweis auf inneren Verschleiß. Messungen unter Druck sollten nur von qualifiziertem Personal mit passender Messtechnik durchgeführt werden. Hydraulikmotoren und Pumpen gleicher Bauart unterscheiden sich im Fehlerbild kaum, deshalb lohnt sich die Messung, bevor ein Hydraulikmotor oder eine Pumpe bestellt wird.
Hydraulikpumpe reparieren oder tauschen?
Grundsätzlich lassen sich viele Hydraulikpumpen instandsetzen. Ob sich das lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Schadensumfang: Ein undichter Wellendichtring ist etwas anderes als eingelaufene Steuerflächen oder ein zerstörtes Triebwerk.
- Teileverfügbarkeit: Für ältere Pumpen sind Dichtsätze und Innenteile nicht immer erhältlich.
- Ausfallzeit: Eine Instandsetzung erfordert Demontage, Befundung und Prüfstandslauf. Ein Tausch gegen eine neue Pumpe kann die Standzeit der Maschine verkürzen.
- Folgeschäden: Bei Spänen im System fällt der Aufwand für Spülen und Filter in beiden Fällen an.
Für die Instandsetzung ist eine Fachwerkstatt für Hydraulik der richtige Ansprechpartner. GAM liefert neue Hydraulikpumpen. Den Einbau sollte eine Fachwerkstatt übernehmen. Unabhängig von der Entscheidung gilt: Ohne behobene Ursache, etwa verschmutztes Öl oder ein Problem auf der Saugseite, ist auch die neue oder instandgesetzte Pumpe gefährdet. Bei der Inbetriebnahme sind die Vorgaben des Herstellers einzuhalten, insbesondere das Befüllen des Pumpengehäuses vor dem ersten Start und das Entlüften des Systems.
Die passende Hydraulikpumpe finden
Hydraulikpumpen unterscheiden sich je Maschine in Bauart, Regler, Wellenprofil, Flansch, Anschlüssen und Drehrichtung, oft sogar innerhalb einer Baureihe. Für eine sichere Zuordnung benötigen wir:
- Maschinenhersteller und Modell
- Seriennummer der Maschine
- Teilenummer der Pumpe, falls vorhanden
- Foto des Typenschilds der Maschine und, wenn lesbar, des Typenschilds an der Pumpe
- bei Bedarf Fotos der Pumpe von mehreren Seiten
Wo Teilenummer und Seriennummer zu finden sind, erklärt der Ratgeber Teilenummer und Seriennummer finden. Eine Übersicht über verfügbare Bauarten finden Sie bei den Hydraulikpumpen. Senden Sie uns die Angaben über das Formular Teil anfragen, wir prüfen die passende Pumpe und melden uns mit einem Angebot.
Mehr dazu: Hydraulikpumpen

